Pasta um Mitternacht und ein bisschen mehr Individualität bitte: Im Beautytalk mit Lena Meyer-Landrut

lena meyer landrut
collage by majormagazine with photos by Paul Hüttemann and smudge by vectorpouch via freepik.com

Sie ist für Deutschland gerade das, was Selena Gomez in den USA ist: eine Popqueen, ein Stilvorbild, ein Megastar. Wenn Lena Meyer-Landrut in der Jury von „The Voice Kids“ sitzt, lässt sich kaum ein Kandidat nicht von ihrem Charme bezaubern. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass wir uns mit ihr seit Beginn ihrer Karriere vor zehn Jahren verbunden fühlen. Und das bis heute. Denn Sie holte 2010 beim Eurovision Song Contest, kurz ESC endlich wieder den Sieg für Deutschland. Wochenlanges Mitfiebern in der Vorentscheidsphase und vor Freude weinen bei der Punktevergabe, haben uns als Nation mit ihr zusammengeschweißt.

Wer da noch kein Fan war, den hat es wohl spätestens nach der Sendung „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ erwischt. Dort hat sie ehrlich wie nie über ihre familiäre Situation und schwierige Momente in ihrem Leben gesprochen. Momente, die sie nur stärker machten. Sie berührt mit ihrer offenen und lebensfrohen Art eben einfach die Herzen der Menschen und ist dabei in der verhältnismäßig zwar kurzen, aber sehr intensiven Zeit im Show-BIZ irgendwie kein Stück abgehoben.

Kein Wunder, dass Sie seit mehreren Jahren auch als Spokesperson und Gesicht für eine der wohl international beliebtesten Beauty-Marke der Welt (L’Oréal Paris) – neben anderen tollen deutschen Frauen wie Iris Berben und Stefanie Giesinger – agiert. Grund genug für uns, im Rahmen der Berlinale mal mit der Sängerin zu quatschen und ihr das ein oder andere Beauty-Geheimnis zu entlocken.

Im Beautytalk mit Lena Meyer-Landrut

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But it’s more important to smile from the inside 🙂

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Majormagazine.de: Sag mal, welchen Stellenwert räumst du dem Thema Beauty in deinem Leben und vor allem auch in Zusammenhang mit unserer heutigen Gesellschaft ein?

Lena Meyer-Landrut: Hm, also ich würde sagen, es hat einen relativ großen Stellenwert – was irgendwie ok ist, wenn man die Wichtigkeit davon für sich selber so ein bisschen versteht. Der Vergleich ist vielleicht nicht ganz hundert Prozent: Aber kennst du diese Art Freundinnen, die so einzelne Themen haben und mit denen man immer über diese einzelnen Themen spricht?

Das gibt’s zum Beispiel das Thema Gossip. Ich hatte mal eine Freundin, der dieses Thema ganz viel bedeutet hat. Die so dafür gebrannt hat, dass sie sich immer und überall informiert und mich regelmäßig damit upgedatet hat. Ich lass mich dann auch schnell in so einen Girls-Talk-Strudel mitreinreisen und bin dann auch so „ja düdüdü und blablabla und nenene“ und merke danach erst, dass das doch irgendwie zu viel und zu intensiv war. Dass ich da jetzt viel zu viel Energie in ein eigentlich witziges doofes Gossip-Thema reingesteckt habe. Dann bekommen solche oberflächlichen Themen schnell eine große Ernsthaftigkeit.

Ich glaube, ganz ähnlich ist das auch mit dem Thema Beauty. Das ist schön, und ich beschäftige mich gerne damit. Das macht mir Spaß und es ist auch irgendwie ein Thema. Aber ich glaube, im Prinzip ist das nicht so wichtig.

MM: Kannst du dich noch an dein erstes Beautyprodukt erinnern, das du dir selbst gekauft hast – und das Gefühl, das es dir gegeben hat? Und wann war das ungefähr?

LML: Ich bin auf jeden Fall großgeworden zwischen Frauen, die das Beauty-Thema alle sehr intensiv betrieben haben. Ich hatte also immer schon viel Kontakt damit, und fand das cool und spannend. Meine Tanten und meine Mutter haben das Thema von Anfang an in mein Leben integriert. Ich weiß noch, dass ich irgendwann – ein genaues Alter kann ich dir da gar nicht mehr nennen, aber jedenfalls sehr klein – zu meiner Tante gesagt habe: Kann ich auch was von dem GLIEDschatten haben? Das war dann immer der Running Gag.

Aber so richtig Schminke mäßig, dass ich auch wirklich damit zur Schule gegangen bin, da war ich so etwa elf oder zwölf. Damals trug ich so ein bisschen Mascara und fand das auch cool. Irgendwie durfte ich das. Ich hatte aber auch Freundinnen, die haben sich mit zwölf oder 13 schon Nasenpiercings machen lassen. Das durfte ich nicht. Also da war Ende – wirklich!

MM: Nun bist du ja Spokesperson für eine der coolsten Beautymarken der Welt. Wann und wie beginnt denn deine ganz persönliche L‘Oréal Paris Geschichte?

LML: Also, ich als Mädchen war auf jeden Fall immer jemand, der Beauty-Produkte aus dem Drogeriemarkt konsumiert hat. Ich bin nicht da großgeworden, wo unendlich viel Geld zur Verfügung stand und wo man sofort irgendwelche high Fashion oder super Luxus-Produkte benutzt hat. Für mich waren immer Drogerieprodukte meine go-to Make-up-Produkte, die aber auch gut für mich funktioniert haben, muss ich sagen. Und da war für mich ehrlich gesagt L’Oréal Paris auch schon ganz schön teuer. Das waren diese oh-krass-das-ist-eine-L’Oréal-Paris-Mascara-Momente, die ich bei der Begegnung mit der Marke als Teenie hatte. Ich finde ehrlich gesagt, für jemanden wie einen Teenie oder auch für ein normales Gehalt, ist das schon ein Premium Produkt. So war das für mich in meiner Wahrnehmung jedenfalls.

Und als dann die Anfrage aus Paris kam, war das schon ganz schön aufregend. Ich bin damals nach Düsseldorf, und tatsächlich zu so eine Art Casting gefahren. Da gab es dann ein Vorgespräch mit vier Jurymitgliedern bestehend aus zwei Franzosen und zwei Deutschen (stellvertretend für den jeweiligen Markt). Anschließend sind wir in einen Flur gegangen, wo bereits ein Kamerateam wartete. Genau da wurde dann wie so ein kleines Video und ein Fotocasting von mir gemacht. Und dann hatte ich zwei Tage später sozusagen das Angebot auf dem Tisch „Wir würden voll gerne mit dir arbeiten“. Das war total aufregend!

MM: Welche Beautyprodukte findet man immer in deiner Handtasche?

LML: Also ich habe gerne einen Lippenbalsam dabei. Ich bin echt ein absoluter Lippenbalsam-Junkie. Wenn ich jetzt allerdings abends irgendwo hingehe, kommt es so ein bisschen auf die Phase und meine Haut an. Im Winter zum Beispiel habe ich total trockene Haut. Da brauche ich zum Beispiel kein Puder. Dann nehme ich eher noch mal einen Lippenstift mit. Oder eventuell sogar einen Creme-Highlighter. Manchmal auch eine ganz leichte Feuchtigkeitspflege, die man dann über dem Make-up auf die trockenen Stellen auftragen kann. Und im Sommer sozusagen das Gegenstück davon. Ein bisschen Puder oder Concealer.

MM: Wer inspiriert dich in Sachen Beauty und auf welchen Instagram-Accounts stöberst du vielleicht auch selbst nach Inspiration zu neuen Beautylooks und -trends?

LML: Ich folge auf jeden Fall ein paar Mädels und gucke mir das auch an. Ich muss aber auch sagen, dass ich in meinem Beruf so viel mit Beauty zu tun habe, dass ich nicht so viel Zeit meines Privatlebens damit verbringe, das zu recherchieren. Plus: Ich habe auch noch jemanden an meiner Seite, den Philipp, der sich sehr intensiv damit beschäftigt und der mir das auf einem goldenen Tellerchen serviert und sagt „Schau mal Leni, diese tollen Looks, wie findest du?“

Und ich kann einfach sagen, das finde ich schön und das finde ich nicht so schön. Aber ja, wenn ich irgendwo etwas sehe, vielleicht auf Instagram – es waren ja zum Beispiel auch gerade die Grammys mit vielen coolen Looks vertreten – dann mache ich auch den ein oder anderen Screenshot für mich.

MM: Gibt es bestimmte (Beauty-)Rituale, die du vor Red-Carpet-Auftritten hast? Eine Runde meditieren, Gesichts-Yoga, ein Sauna-Besuch oder vielleicht ein spezielles Treatment

LML: Also es kommt immer auch ein bisschen darauf an, um welches Event es geht. Gestern zum Beispiel hatte ich ein Kleid an, das war… Ich quatsche ihr sofort dazwischen!

MM: Oh ja, das war sehr schön! (watch it down here!)

LML: … Ja, ne! Ich finde es ja auch wirklich so schön! Aber ich gebe es wieder zurück. Das ist leider nur eine Leihgabe. Aber ich denke dann auch immer, das ist ja auch Quatsch. Das Kleid kostet vermutlich um die 1000 Euro und das ziehst du ja auch nie wieder an. Wann soll man das auch anziehen? Wenn man essen geht? … Aber, was wollte ich sagen? … Ach so, warte. … Ne, ich hab’s vergessen. Worüber haben wir gesprochen?

MM: Über Beauty-Rituale.

LML: Ach ja! Also, wenn ich jetzt zum Beispiel so ein Kleid wie gestern anhabe, aus diesem ganz feinen Material, das figürlich sozusagen auch noch so betont ist, dass man quasi alles sieht, dann achte ich zum Beispiel drauf, dass ich jetzt nicht zuvor einen riesigen Teller Nudeln essen. Weil ich von mir weiß, dass ich davon ein bisschen einen aufgeblähten Bauch bekommen und mir sofort der Gedanke in den Kopf kommt, dass am nächsten Tag in irgendeiner Yellow Press steht, dass ich schwanger bin. Da denke ich dann schon, ja, ok, das vermeiden wir jetzt Mal. Dann esse ich halt erst mal einen Salat und freue mich auf den Teller Nudeln danach.

MM: Und gab’s den Nudelteller dann gestern auch noch?

LML: Ja, den gab es gestern tatsächlich noch. Und genau, so bereite ich mich dann eben immer passend zum Outfit vor. Wenn’s allerdings ums Gesicht geht, hilft Schlafen ganz gut. Also sich allgemein Zeit nehmen. Ich bin ja jemand, der viel schläft. So acht Stunden schlafen, finde ich schon toll.

MM: Wann hat das Thema Beauty in deinem Leben einen wichtigeren Stellenwert eingenommen?

LML: Also das kam schon irgendwie mit dem Job. Das ging irgendwann so weit, dass es sogar super super wichtig war. Und dann habe ich wieder gemerkt, ah, ok, ist vielleicht doch gar nicht so wichtig. Aber ja, man wird ja auch einfach älter, man verändert sich, und der Geschmack verändert sich.

MM: Aber vielleicht, ich meine, viele sagen ja auch, durch Instagram und Co. wird man dauernd damit konfrontiert.

LML: Ja klar. Wir haben gerade eben sogar noch darüber gesprochen. Zum Beispiel über Zähne. Ich finde das aktuell total krass, weil mir auffällt, dass jedes Girl sich gerade die Zähne machen lässt. Und nicht nur korrigieren, sondern die lassen sich alle die Zähne auch noch perfekt gerade abschleifen.

MM: Ich gestehe, ich habe mir das auch überlegt.

LML: Wirklich?! Mach das nicht! Nein, aber also du meinst, einen Zahn ein bisschen angleichen oder was?

MM: Ja genau.

LML: Ja also, ein bisschen angleichen ist ja nich dasselbe. Ich meine eher diese Mädels, die jeden Zahn gleich haben.

MM: So Miley Cyrus mäßig, meinste?

LML: Genau. Das verstehe ich nicht! Und alle Frauen haben das gleiche Gesicht, die gleichen Zähne, die gleichen Lippen, die gleichen Hyaluronwangen – wirklich ich drehe durch. Ich finde das so horrormäßig. Da denke ich echt, mein Gott, das ist so schlimm und so traurig. Und das Allerschlimmste ist, dass dann die Leute auch noch sagen “Oh mein Gott, du siehst so hübsch aus“. Das nervt. Das ist so wenig Individualität.

MM: Gibt es Hausmittel oder Beautytipps von deiner Mama oder Oma, die du heute noch befolgst und empfehlen kannst?

LML: Also ehrlich gesagt nicht. Ich überlege gerade … Also wirklich, alle Tipps, die meine Oma mir jemals gegeben hat, finde ich so horrormäßig. Zum Beispiel: Iss mal mehr Butter, das ist gut für die Nerven. Das ist zum Beispiel so ein richtig blöder Tipp. (lacht schallend)

MM: Ja, ok, dann machen wir weiter. Worauf man ja absolut neidisch werden kann, ist deine unglaubliche Haut. Hast du noch einen allerletzten Beautytipp für all diejenigen, die auch gerne einen so ebenmäßigen frischen Teint hätten wie du?

LML: Das finde ich, ist ein bisschen schwierig, weil ich tatsächlich gesegnet bin mit – toi toi toi – guter Haut, kleine Poren und keine Akne. Ich habe einfach Glück. Was heißt Glück. Jede Haut ist so, wie sie ist und jede Haut ist auch ok so, wie sie ist und keiner kann was dafür. Nur, weil jemand sagt, Akne ist hässlich, heißt das nicht, dass es hässlich ist. Es ist so.

Man kann Sachen dagegen machen und das finde ich auch gut und das finde ich, glaube ich auch notwendig, gerade, wenn es sehr schlimm ist, dass man sich darum kümmert … (Wir quatschen mal wieder dazwischen)

MM: Das hat ja auch was mit Selbstbewusstsein zu tun.

LML: Voll. Dass man die Haut dann gut reinigt und sich gut beraten lässt. Aber ansonsten glaube ich einfach, dass es wichtig ist, mit sich selber nachsichtig zu sein und sich selber auch Zeit zu geben. Ich habe so das Gefühl, wir sind gerade in unserer westlichen Gesellschaft so stark von dem just on time Gedanken geprägt wie zum Beispiel bei Amazon bestellen und am nächsten Tag ist es da, und wir müssen was auf die Haut machen und am nächsten Tag ist sie perfekt. Das wird auch so, wenn man sich einfach ein bisschen Zeit gibt. Ein bisschen Ruhe und Luft geben. Das finde ich ganz wichtig.

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Hi. Bin Leni. 28 ☀️

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Quick Questions: Noch schnell ein paar Beauty-Favoriten von Lena entlarven

MM: Also Lena, wenn du ab sofort nur noch eines der jeweils zwei Beauty-Produkte verwenden dürftest, für welches der folgenden würdest du dich auf jeden Fall sofort entscheiden? Antworte am besten ganz schnell aus dem Bauch heraus.

MM: Wimpernzange oder Fake Lashes?
LML: Wimpernzange

MM: Rouge oder Bronzer?
LML: Bronzer

MM: Lippenstift oder Lipgloss?
LML: Gloss

MM: Lidschatten oder Wimperntusche?
LML: Wimperntusche

MM: Kajal oder Eyeliner?
LML: Eyeliner

MM: Brow-Pen oder Lipliner?
LML: Brow-Pen

MM: Nagelöl oder Handcreme?
LML: Nagelöl

MM: Sheet Mask oder Bodylotion?
LML: Bodylotion

MM: Haarbürste oder Haargummi?
LML: Haargummi

MM: Sonnencreme oder Hitzeschutz (Haare)?
LML: Sonnencreme

MM: Pinzette oder Nagelfeile?
LML: „Pinzette“

MM: Penatencreme oder Labello?
LML: Nichts von beiden!

We say thank you so much! <3

Liebe Lena, es war zauberhaft, mit dir zu quatschen. So herrlich ehrlich und ganz entspannt. Mein Freund ist seit unserem Interview, bei dem er übrigens heimlich an der Treppe gelauscht hat (du kleiner Spanner!) ein bisschen schockverliebt in dich. Wer könnte es ihm auch verübeln. 😉

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